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2018 in Arbeit:

Lebst du schon, oder trinkst du noch

ZDF-Dokumentation in der Sendereihe "37 Grad", über drei Frauen, ihre Alkoholsucht und den langen Weg da raus.

   
 

2018 in Arbeit:

Der Maler des Lichts

Langer Dokumentarfilm über den italienischen Maler Cesare Mirabella, einst Liebling römischer Galeristen mit Ausstellungen in – in -und ausländischen Kunsthallen, der mit seiner Pastell-Maltechnik die Besonderheiten der Lichtspiele in den umbrischen Hügellandschaften auf die Leinwand bringt. Während die betagten Bewohner gestorben, die jungen auf der Suche nach Arbeit in die Städte geflüchtet sind, arbeitet und lebt Cesare mit seiner Ehefrau Fernanda als letzte Familie dauerhaft im sonst ausgestorbenen Bergdorf Morcicchia, einst ein Ort der Hirten und Olivenbauern, abhängig von der Gunst verschiedener Kunstliebhaber, die ihm ihr Ferienhaus zur Verfügung stellen. Am Beispiel von Cesare, ein Film über den sich verändernden Kunstmarkt, in dem die Kunst zum reinen Spekulationsobjekt wird und für Cesare Mirabella und viele seiner Kollegen kein Platz mehr ist.

   
       
 

37 Grad / ZDF / 28.02.2017: 
Das große Vergessen

Was zählt, ist der Augenblick

 

 

 

Von D.J. Frederiksson, Frankfurter Rundschau, 28.02.2017

Eine auf den ersten Blick unauffällige Reportage über junge Demenzkranke offenbart beim näheren Hinsehen eine vergessene Dokumentartechnik. Die deutsche Fernsehreportage hat seit vielen Jahren einen routinierten, voraussagbaren Stil: Man beginnt mit einem emotional möglichst aufwühlenden Einzelschicksal und geht dann vom Konkreten ins Generelle: Hintergründe, Fakten, Prognosen, Expertenmeinungen. Schließlich formuliert man eine Lehre aus der ganzen Geschichte, eine politische Forderung vielleicht oder eine Verhaltensanweisung. Dann schließt man mit einem Ausblick auf das Einzelschicksal.

Filmemacher, die sich heute dieser Form verweigern, wie die aktuelle Welle politischer Dokumentarfilmer aus den USA, verzichten meist auf das erzählerische, emotionale Einzelschicksal zugunsten von reinem Agitprop oder reiner Meinung. Der umgekehrte Weg – das ausschließliche Einzelschicksal ohne Kontext und ohne klar formuliertes Fazit – ist weniger auffällig, weniger spektakulär und daher in der Medienlandschaft seltener. Doch hier ist er nun: Walter Krieg nutzt seinen kompletten 30-minütigen „37°“-Beitrag, um ohne Kommentierung die Geschichte einer Handvoll tragischer Schicksale zu erzählen. Diese Männer um die 40 haben durch eine oft spät und falsch diagnostizierte Demenz-Erkrankung ihr erfolgreiches Leben völlig verloren, aus Pflicht- und Selbstbewusstsein ist urplötzlich Apathie, Trotz und Verwirrung geworden.

Sie haben Arbeit, soziale Kontakte und Familie verloren und sind auf das geistige Niveau von Grundschulkindern zurückgeworfen. Und sie können sogar noch von Glück sagen, dass sie von Vertrauten und Verwandten gepflegt werden.

Es ist ein vollkommen hoffnungsloses Sujet: Allen Beteiligten ist bewusst, dass selbst dieser Zustand nicht mehr lange währt, dass man auf einen langsamen Zusammenbruch aller geistigen Fähigkeiten und einen frühen Tod zusteuert. Die Archivaufnahmen aus glücklicheren Zeiten stechen ins Herz und machen zugleich auch selbst Angst vor dieser unangekündigten, kaum verstandenen Krankheit.

 

Und ausgerechnet in dieser Situation verweigert der Filmemacher jegliche Flucht ins Abstrakte: Keine wissenschaftlichen Fakten über Häufigkeit oder Herkunft dieser Krankheit lassen uns das Thema wechseln; kein politischer Appell verschafft uns eine vage Hoffnung auf zukünftige Heilung oder Besserung.

Wer den Doku-Altmeister Walter Krieg kennt, wird davon nicht überrascht sein. Er setzt als einer der letzten die praktisch vergessene Tradition westdeutscher Fernsehdokumentaristen wie Peter Nestler oder Klaus Wildenhahn fort, die weitab vom schnelllebigen Kino- und Festivalzirkus in den deutschen Fernsehanstalten über Jahrzehnte hinweg stille, persönliche Portraits ablieferten.

Sie haben sich als Erzähler verstanden, nicht als Entertainer oder Agitatoren; sie haben Bilder gesucht und Geschichten erzählt, anstatt die Welt auf einige Thesen zu reduzieren. In diesen Zeiten der Informationsüberlastung und der kurzen Aufmerksamkeitsspanne ist dies eine beinahe heroisch-trotzige Herangehensweise.

Statt dessen schenkt uns der Film etwas viel Wichtigeres. Er bleibt immer nah an seinen Figuren und lüftet schließlich das Geheimnis, wie man so leben kann: Der Augenblick ist alles, was zählt. Das ist angesichts des Gesamtbildes nicht tröstlich, fühlt sich aber doch seltsam befriedigend an. Es mag eine unauffällige halbe Stunde im deutschen Fernsehen sein, aber Walter Krieg hat damit etwas Beeindruckendes geschaffen: Er hat keinen Film über eine Krankheit gedreht, sondern einen über Menschen.

 

ZDF Mediathek [Link]: Das grosse Vergessen

 

 

   
 

SYNCHRON

ein Fotobuch von Walter Krieg und Ines Wenzel

Was verbindet propper gekleidete Zwillingsschwestern auf einem Ausflugsdampfer mit zwei Meister Propper-Flaschen in einem Badezimmer? Wenn zwei Dinge zueinanderkommen, kann ein neues Ding daraus entstehen. Zwei Füsse als künstlerische Objekte in einem Museum + zwei Kakteen, natürlich gewachsen wie Füsse, oder zwei seitlich liegende Kühe mit angewinkelten Beinen + zwei seitlich liegende Soldatinnen mit angewinkelten Beinen, die Waffe im Anschlag.

In den Gegenüberstellungen von Walter Krieg und Ines Wenzel, ergänzt durch einige Fotos national und international renommierter Fotografen, geht es gerade nicht um ein ästhetisches Gleichmaß aller Dinge, sondern um Synchronität im Disparaten und ihr verborgenes Verwandt-Sein.

Mit 152 Fotos und einem Einführungstext von Anja Kretschmer. [mehr]

 

 

 

Walter Krieg / Ines Wenzel: SYNCHRON
Edition Progressbar
ISBN-Nummer: 978-3-00-050864-6

16 Euro

 

 

 

 

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